Ferdinand Ebner

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Wochenschau
zum 90ten Todestag und zum 140 ten Geburtstag

Le rebelle – Ferdinand Ebner

Mein erstes Buch…


 

Das erste fertige Exemplar der Fragmente ist bereits in meinen Händen … Das Buch nimmt sich in seinem Umschlag gut aus, sehr gut sogar.
So jubelte Ferdinand Ebner am 9. und 25.September 1921 in Briefen an Luise Karpischek.
Möge das Jahr 1921 …ein schönes und erfreuliches sein wünscht Ebner am 6.1.1921 Ludwig Ficker und ist neugierig auf den Druckkostenvoranschlag und fragt, berichtet und ermahnt:
3.2.1921 - Wie viele Korrekturbögen werde ich zu lesen haben? Die üblichen drei?
20.3. - Wie steht es mit dem Druck der Fragmente?
17.4. - Die eingetroffenen Korrekturbögen habe ich sofort erledigt.
17.4. - Ja nicht das Motto zu vergessen.
Dass ich sogar nicht unbedeutende Texteinschaltungen machte…..“ich will“….“ich will nicht“…und auf einmal denke ich dieses (Letztere) als „ Je ne veux pas“ … jenes Gedicht von Baudelaire…es heißt: Le rebelle schreibt Ebner am 10. Juni 1921 an Luise Karpischek.

Unsere Frage:
War Ebner ein Rebell?
Ein guter Engel oder
ein ange furieux? (ein wildgewordener Engel)

Die kommenden Wochen können es zeigen!
Nächste Woche ist der Todestag Dantes. Zwischen Dante und Ebner gibt es überraschend viele Parallelen.
Also, bleiben sie dran! - Herbert Limberger

 

Quelle: Ebner, Schriften III, Verlag Kösel Bilder: Umschlag des 1921 erschienen Buches.

 

Aus Ebners Bibliothek: Eigenhändiger Umschlagentwurf, der in der Druckversion nicht wiedergegeben wurde.

Dante + Ravenna




Die Nacht vom 13. auf 14.September 1321 beendet die zweite Hälfte seines Erdenlebens.

Ich stand in unsres Erdenlebens Mitte
verirrt in einem dunklen Wald allein;
kein rechter Weg mehr bot sich meinem Schritte.
(Anfangsterzine der Göttlichen Komödie)


Von Dante red ich…

Vom Himmel kam er, sterblich das Gericht
Der Hölle sah er und den Läuterungsbau
Und kehrte lebend dann zu Gottes Schau,
von allen uns zu bringen wahres Licht.
(Michelangelo)
Ebner Tagebuch 1918 - Begonnen in Dantes Göttlicher Komödie – Ostergeschenk von Luise – zu lesen. Karfreitag, 29. März 18, in Neustadt.
Dantes „Reise“ ins Jenseits beginnt auch an einem Karfreitag.
Tagebuch 1918, gleicher Tag - 11h abends - den ganzen Tag mit mancherlei Gedanken beschäftigt, daß ich nicht dazukam, im Dante weiterzulesen.
5.April 1918 - Nach der Jause nach Purkersdorf, unterwegs im Dante lesend.
Tagebuch 21.August 1918 - Ich habe mir für die paar Tage hier in Wels den Dante mitgenommen und mir dabei vorgestellt, ich würde jeden Morgen und jeden Nachmittag ein paar Gesänge lesen und so weiter kommen um ein gutes Stück. Aber hier mag ich erst recht nicht lesen.
1922, Brief an Luise, Kö III, Oktober - ...Es scheint, dass jetzt ein Buch bei mir zu Ehren kommt, das Du mir vor mehr als 4 Jahren geschenkt hast- der Dante.
Vielleicht macht mir die göttliche Komödie, die mir bislang unzugänglich war, der Hilty zugänglich.

Dante - Ebner

Geboren jeweils 2. Jahrhunderthälfte 1265,1882
Erreichtes Alter 56, 49
Verbannung: 19, 19 Jahre
Bei Dante gab es wenigstens einen Prozess (der heuer neu inszeniert worden ist).
Ebner hatte nur den „Marschbefehl“ von Waldegg nach Gablitz; er erfuhr nie, ob es nicht doch eine Strafversetzung war.
In der Verbannung schreiben sie ihre Hauptwerke, sie beginnen im Alter zwischen 35 – 40,
beide kritisierten Repräsentanten der Kirche, Politik der Kirchenvertreter ist beiden ein Ärgernis,
Sprache und Wort :
Dante schreibt nicht mehr im gängigen Latein, er schreibt in Italienisch, in der Mutter-Sprache. Ebner reduziert die Sprache auf das Wort, nicht auf Wörter komme es an, sondern auf : das Wort.
Dantes Hauptwerk ist in der Ich-Form verfasst, Ebner schreibt über das eigentliche Ich , und meint: die Sache ist ganz einfach: dessen(seine) Existenz liegt nicht in der Bezogenheit auf sich selbst, sondern in seinem Verhältnis zum Du.( 1.Fragment)


Aus diesem Denken urteilt Ebner:
Tagebuch 3.April 1918 - Die Göttliche Komödie ist gewiß nicht nur ein religiöses, sondern auch ein dichterisches Missverständnis.
Ebner schwimmt nicht in der damaligen Dante-Hype, er hat seinen Standpunkt. Ein Rebell?
Aber, haben nicht beide Werke das gleiche Thema?
Die Wochen 38, 39 und 40 sind ein virtuelles 5. Philosophisches Atelier zu Baudelaire, Dante, Ebner. Bleiben Sie dran!

Post-Scriptum:
Dante als der „Denker“ von Auguste Rodin thront über dem Höllentor. Kräftig, muskulös, voll von Spannung.
Nach Rodin war es der „Poet“. Wegen der Ähnlichkeit mit Michelangelos „Il Pensieroso“ hat sich die Bezeichnung Denker durchgesetzt.
Übrigens: Rodin schuf diese Plastik um das Geburtsjahr Ebners, 1880-1882.
Tagebuch 16.8.1917 Wr. Neustadt - Nach der Jause in den Rodinbüchern herumgeblättert.
Tagebuch 10.8.1920 - Frage Ebners:
Will mich denn Gott als Denker?
Wie will der Mensch den Mißbrauch des Denkens, in welchem er zum Denker wurde, abschaffen, wenn er sich niemals diese Frage stellt?

Quellen:
Tagebuch 1918 und Fragmente: Ferdinand ebner online edition
Tagebuch 1918-1923 ( bis jetzt nur auszugsweise veröffentlicht) Text bereits übertragen, für die Veröffentlichung fehlt das nötige Geld.
Gedicht des Michelangelo: Rowohlt, Dante dargestellt von Kurt Leonhard
Erste Terzine: Übersetzung Hans Werner Sokop (hat in Gablitz aus seiner Dante- Übersetzung gelesen)

Abbildungen/Fotos © Dr. Herbert Limberger
Ravenna
Denker & Bedenker - Ebners Grabstein in Gablitz

Ebner - Baudelaire - Dante


Ebner näher kennenlernen mit Jubilaren, das ist der Leitgedanke des Philosophischen Ateliers.
Aus dem Atelier meldet sich Ilse Pauls:
Sehr geehrte Ferdinand Ebner Interessierte!
Es tut mir sehr leid, dass dieses Jahr wieder kein Philosophisches Atelier in unserem Haus stattfinden kann.
Es waren immer sehr schöne Gespräche und Begegnungen.
Ich darf ein passendes, von mir gemaltes Bild, beisteuern.

Ilse Pauls

2021 feiern wir Dantes 700ten Todestag und Baudelaires 200ten Geburtstag.
Baudelaire begleitet Ebner das ganze Leben. Dante kommt erst zu Ostern 1918 in sein Leben und es ist keine Liebe auf den ersten Blick.
Blumen, i fiori, les fleurs sind das gemeinsame Thema, geografisch Gablitz, Florenz und Paris, dem Entsprechen die Wochen 38,39 und 40. In der Woche 41 ist Ebners 90ster Todestag das Thema.
Hahnenfuß und Löwenzahn haben es Ebner in Gablitz angetan. Aber vorerst kommen wir von Dantes dunklem Wald zu Ebner:
Riesenhafte Stämme von einer Höhe, wie ich sie bis jetzt noch nicht gesehen habe, schöne grüne Rasenflächen darunter, helles Licht zwischen den Baumstämmen im Vordergrund, dunkle Schatten im Hintergrund, ohne das Düstere und Unheimliche der Fichtenwälder.
Merkwürdig, ich, der ich von mir glaube, an der Welt überhaupt nicht mehr anders interessiert zu sein als an einem ethischen Probleme, entdecke noch einmal in mir die Möglichkeit eines intimen Liebesverhältnisses zur Natur.

Brief Kö III, 68 an L.K.

Florenz und die Lilie, die mit Dante ins Paradies wandert: Rose, Blumenwiese. Lilien als des rechten Weges Warten (Paradiso XXIII). Insgeheim macht Dante so seine Geburtsstadt, die Stadt der Blumen mit dem Dom Sta. Maria dei Fiori (auch wenn dieser erst nach Dante erbaut worden ist) zur Paradies-Landschaft.

 

Und Baudelaire?
Er gibt den Blumen seiner Stadt eine andere Bedeutung, Fleurs du Mal, Blumen des Bösen.
Für viele eine Weiterführung von Dantes Inferno.
Gedicht in Prosa als Kontrapunkt zu Ebner:
Wie die sich neigenden Herbsttage ergreifend sind! ...
Natur, du Zauberin ohne Erbarmen, immer siegreiche Gegnerin, lass ab von mir! ...

Die Suche nach Schönheit ist ein Zweikampf, bei dem der Künstler aus Bangigkeit schreit, bevor er noch besiegt wird!

(Baudelaire, Das Bekenntnis des Künstlers, Projekt Gutenberg)

.


Oder sollten wir doch auf einer der vielen Brücken von Paris an Ebner denken:
Die Brücke von der Icheinsamkeit des einen zu jener des anderen Bewusstseins:

Das Wort.
O wie schrecklich ist das.
Wortloswerden einer menschlichen Existenz – der ‘innere’ Tod. Tb Juli 1922

Hab ich der Worte wahren Grund verstanden? ...
Ich heiße Beatrice. (Inferno, II)

Für diese Woche wird das 5. Philosophische Atelier geschlossen.
Nächste Woche wird fortgesetzt mit:
Die ‘Icheinsamkeit’ wahrnehmen: sie als Übel und als das Übel fühlen. Ebner Tb 3.7.22 Paris und Wege im Purgatorium. Bleiben sie dran!

gemaltes Bild © Ilse Pauls | Fotos © Dr. Herbert Limberger | nicht vollständig angeführte Quellen:  wie bisher

Paris - Purgatorium



Das Morgenrot in grün und rosigem Gewande
Kam fröstelnd langsam her am Seine-Strande;
Das finstere Paris brach seines Schlummers Bann
Und griff zum Handwerkszeug ein greiser Arbeitsmann.

Baudelaire: Blumen des Bösen


Paris von La Defense aus gesehen
Die Icheinsamkeit des Arbeiters?

Ein einsamer Student 1928:
Ist es philosophisch, eine Freundschaft wertvoller zu betrachten als eine These?
Tagebucheintragung von Manuel Mounier, der 1950 zum großen Ebner-Fest eingeladen war.
Wenn Sie Mouniers Frage mit nein beantworten, sind Sie mitten in Ebners Traum vom Geist?
Dann können Sie die Rue Dante und den Quai St. Bernard und alle Straßen von Paris ablaufen auf der Suche nach dem Du.
Vielleicht gibt es überraschende Begegnungen:

Paris, Champs Elysees


Die Strasse heult ... da schreitet .... ein schlankes Weib ... Blick, drin Himmel fahl und starr,
... aus deinem Blick strömt Kraft und Leben nieder.
Ob ich dich erst dort drüben wiederschau?
Baudelaire: Blumen des Bösen, Ein Vorübergehender
Du wirst dich verirren
Im eignen Wahn, sodass die wahrnehmbaren
Objekte schwinden. Such dich zu entwirren!

Sagt Beatrice im 1.Gesang des Paradiso - nicht zu Baudelaire zu Dante.



Sagte sie es auch für Ebner 1922?

Das Leben ist voller Verwirrungen und Verwirrungsmöglichkeiten. Gar erst meines.
... Und merkwürdig:
nichts ist gefährlicher als der Versuch, Entwirrung in diese Verwirrungen menschlich gegebener Situationen hineinzubringen.
Er könnte nur zu einem guten Ende führen,
wenn alle Teile das gleiche Bedürfnis nach Entwirrung, das gleiche Interesse an ihr hätten.

Ebner Tb 22.9.1922


Der Weg zum wahren Du im anderen Menschen führt durch die Einsamkeit.
Aber es ist die Schuld des Menschen, dass er diesen Weg gehen muss.

Ebner, Tb 8.1.1917


 
Bei Dante:

Der Weg in den Höllentrichter, auf den Läuterungsberg und in das stärkste Licht.
In Paris: Paris est le paradis des femmes, le purgatoire des hommes (Paris ist das Paradies der Frauen,
das Fegefeuer der Männer); ein altes Sprichwort.
Bei Baudelaire: Die große Anerkennung blieb aus, die Akademie nahm ihn nicht auf, das Pflaster war nach der Verurteilung zu heiß, er floh nach Brüssel (1864) und kehrte als Pflegefall (1866) über Namur nach Paris zurück, wo ihn seine Mutter noch ein Jahr pflegte.
1856, just ein Jahr vor der Veröffentlichung der Fleurs du Mal, wurden in Paris die „Helferinnen der Seelen im Fegefeuer“ gegründet, Helferinnen, um Menschen am Rand und in Krisen zu begleiten (auch in Wien und Salzburg).
Gut 700 Jahre früher wurde der Begriff „Fegefeuer“ geläufig. Bernhard, der im 31.Gesang des Paradiso Dante führt, predigte, dass es außer der Hölle noch eine Welt der Sühne gäbe für Seelen, die der Reinigung bedürfen. In dieser Zeit entstand auch ein Tractatus, in dem ein Ritter die Herausforderungen des Purgatoriums bestand, 10 Prüfungen. Gedichtet von einem Zisterziensermönch. (bei Dante sind es 7 Stufen:
Hochmut als Lastenträger, Neid als Bettler, Zorn, Trägheit, Geiz, Gier als Abgemagerte, Wollust als Gang durch das Feuer).
Dieser Tractatus wurde von der ersten „Dichterin Frankreichs“, Marie de France, ins Altfranzösische übertragen. Abschriften werden in der frz. Nationalbibliothek aufbewahrt.

Zu Dantes „Licht“


Sind nicht alle wirklichen Gedanken eines Menschen Reflexe seiner Existenz?
Der Reflex eines ‘Lichtes’ in seiner Existenz?
Ganz ‘lichtlos’ ist ja kein menschliches Leben.

Ebner, Tb 27.6.1922


Ilse Pauls: Fegefeuer

Zu den Helfer*innen:
Ferdinand Ebner hat immer wieder Ausschau nach Menschen gehalten, die ihn verstünden. Niemand. Niemand.
Das kann die Hölle sein, egal, ob sie sich in Saxen oder Gablitz ereignet. Bleiben Sie dran!
Dazu nächste Woche.
gemaltes Bild © Ilse Pauls
Fotos © Dr. Herbert Limberger
nicht vollständig angeführte Quellen: wie bisher

Gablitz
Hölle, Himmel, Fegefeuer


Von Hölle liest man auf der Website der Gemeinde nur, dass Nagelmüller Karolina in der „Hölle“ aufgetreten sei.
Mit dem Walzer „Mephistos Höllenrufe“ von Johann Strauß wurde die „Hölle“ 1906 eröffnet.
1910 erhielt die Hölle Konkurrenz durch den „Himmel“, kurzzeitig. Seit 2010 ist die „Hölle“ wieder aktiv – als Kabarett. Und Frau Nagelmüller pendelte schon damals zwischen Gablitz Hauptstraße 34 und dem Souterrain des Theaters an der Wien.

Und Ebner, der zuletzt in Hauptstr.29 lebte, also ein Nachbar, pendelte ohne Ortsveränderung an einem Tag zwischen Himmel, Fegefeuer und Blicken in die Hölle.

16.1.1923 Aus der Nähe des Paradieses wieder zurück ins Purgatorium.


Jänner 1917
Es kam mir gestern tatsächlich ganz außergewöhnlich seltsam und merkwürdig vor, daß ich nun da mit jener Dame, an die ich damals im Sommer des vorigen Jahres im Eisenbahnwagen im Stillen ein „Gedicht in Prosa“ gerichtet hatte (Baudelaire!)
... und dann hab ich diese Bekanntschaft zufällig doch gemacht (als ich aus der Villa ihrer Schwiegermutter heraustrat in Hochbuch, stand ein prachtvoller Regenbogen am östlichen Himmel und ich wollte das beinahe als Omen nehmen ...)
aber über den Verlauf des gestrigen Abends, einmal aus dem Takte meines Alltags geraten, freute ich mich schließlich doch besonders.
Nachtsüber freilich kam ich wieder in das innere Gleichgewicht meines gewöhnlichen Lebens und meiner gewöhnlichen Lebensstimmung.
Beim Abendessen hab ich natürlich gleich davon (dem von ihr geschenkten Stück echten Kornbrot) gegessen, etwas zu viel aber – ich spürte es dann in der Nacht. Länger als sonst lag ich um Mitternacht herum wach, von Magendrücken arg beschwert.

Tb 16.1.1917


_
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Silvester 1917 in Gablitz
Ich ließ den heutigen Abend nicht ohne den Anstrich einer gewissen „Feierlichkeit“ vorübergehen, ... beim Abendessen hatte ich’s eiliger als sonst und nahm mir eine kleine Flasche besseren Weins mit; von Luise hatte ich ein Säckchen Bäckerei und eine Tafel italienischer Chokolade, ein paar gute Zigarren hatte ich mir gestern noch verschafft, aber was für eine Verirrung war denn doch das Ganze?
Für einen Menschen wenigstens, wie ich es bin. Wenn man schon dem letzten Abend eines Kalenderjahres eine besondere Bedeutung gibt, so sollte doch diese Bedeutung mit anderen Mitteln als solchen betont werden. Für einen Menschen, wie ich einer bin, ist schließlich aller Genuß des Lebens nichts anderes als eine Flucht vor der Geistigkeit seiner Existenz. Auch das Physiologische ist ein Abgrund.
Solche Menschen wie ich müssen ausgehungert werden.

Tb 31.12.1917

1917 Gablitz
Ebner begegnete nicht Beatrice, aber Beata:
Sonntag, 25. Februar 17. Zwei Wochen hindurch lese ich jetzt Abend für Abend mit Beata im Baudelaire. ...
Ich sehe, wie der Baudelaire nicht aufgehört hat, für mich als geistiger Wert zu existieren. Über seine ungeheure Tiefe staune ich immer wieder vom Neuen.
Mich muß es nur wundern, daß Beata dieses Verhältnis, voller Kargheiten meinerseits, erträgt. Ich trete ihr gegenüber so gut wie gar nicht aus meiner physischen und psychischen Verschlossenheit heraus.
Denn auch ihr gegenüber vermag ich mich kaum anders als ironisch zu geben. ... Sollte man nicht meinen, daß ihr unsre gemeinsame Baudelaire-Lektüre sozusagen einen Weg in mich hinein aufschließen könnte? Mache ich doch aus meiner großen Bewunderung für die Schönheit und Tiefe seiner Verse vor ihr gar kein Hehl. Aber was ist ihr am Ende der Baudelaire, was ist ihr die Tiefe des Erlebens, die hinter seinen Gedichten steckt.

Mein ganzes Lebensgefühl ist ja tatsächlich jetzt unsagbar trostlos geworden und es ist nur zum Staunen, daß man dabei immer noch existiert, existiert mitten in einer Welt, die auch nicht die leiseste Ahnung hat von dem, wie mir eigentlich zumute ist. Vor 14 Jahren etwa mag meine „Einsamkeit“ eine ähnliche gewesen sein wie jetzt, aber doch nicht so innerlich komplett wie jetzt.

Tb 25.2.1917

März 1917
Woran krankt der Mensch geistig?
Daß es ihm an „Anschluß“ und „Ansprache“ im Geistigen fehlt. Daß er diesen Anschluß und diese Ansprache in einer falschen Sphäre sucht. Aber auch oft, daß er diesen Anschluß und diese Ansprache in einer falschen Sphäre gefunden hat und sich damit zufrieden gibt. – Das ist sozusagen das Ergebnis eines Gesprächs gestern abends mit Beata.

... die Erkenntnis, in eine Sackgasse des Lebens geraten zu sein.

Tb So 14.1.19177


Ich bin ein Schwimmer in einem Strom, dessen Wasser unaufhaltsam zum Abgrund fortreißt.
Ich bin ein Ertrinkender.
Fürchterlicher Egoismus, heimliche Lieblosigkeit, Liebesunfähigkeit, Unwilligkeit, auch nur das geringste Opfer zu bringen, von meinem Überfluß zu geben, Undankbarkeit, Dankunfähigkeit, ...
(und mich) peinlich empfinden lässt, wenn man mir außerordentliche Gefälligkeiten, Liebenswürdigkeiten, Liebeswürdigkeiten erweist.

Tb 24.8.1918


_ Kein Mensch, nicht ein einziger meiner Umgebung, weiß es, wie schlimm es um mich steht. Kein Mensch weiß das, nur ich. Und vielleicht fehlt mir selber schon die Kraft des Bewusstseins, dies klar und deutlich zu wissen.

29.5.22 Tb


Dieses Vorbeisehenwollen und Nichthinsehenwollen, wenn uns einmal der ganze Ernst unsres Daseins und Lebens unmittelbar vor Augen gerückt wird

30.1.16 Tb


In ein paar Monaten bin ich seelisch genau dort wieder, wo ich in den letzten zwei Jahren beständig war – bis ich nicht mehr weiterkonnte
Und in alles das aber ziehe ich andere Menschen hinein, mich mit einer Schuld beladend, deren Schwere ich eigentlich niemals unmittelbar fühle, von der ich nur mittelbar weiß
Ich erschrecke bei dem Gedanken, daß mir eines Tages der schüchterne Aufblick meiner zusammenbrechenden Existenz zum Leben und Wort Jesu hin verloren gehen könnte

Tb 22.6.19



_
_ Auch Baudelaire hat Beatrice in einem Gedicht gehuldigt:
Ich ging durch kahles Land, durch sandig dürre Heide.
Und klagte der Natur die Schmerzen, die ich leide,



Schwankt droben nicht die Sonne?
Sie mit dem Götterblick, sie meiner Seele Wonne,
Sie lachte meiner Not ...
(aus zgedichte.de)
Ilse Pauls, Gablitz
Was Tiefe eigentlich ist: De profundis clamavi

Tb 11.1.1917 (Psalm 130, auch Gedicht von Baudelaire)


Wenn das Wort nicht wäre, niemand wüßte etwas von Gott, vom Himmel und der Hölle, vom Leben nach dem Tode, noch weniger vom Herrn.

Tb 1920 notiert aus Abschrift Swedenborg


Wenn ich an die Rückfahrt denke, wenn ich daran denke, daß ich in vier Wochen wieder in der Schule stehen soll. Und wenn ich eines Tages nicht mehr weiter kann – wer weiß wie bald – wenn ich Urlaub nehmen muß – wohin mich wenden?

Tb 21.8.1918 Wels


Für Ebner sind Himmel, Hölle, Fegefeuer keine „comedia“, eher ein „come dia“ , keinerlei Komödie, eher ein Prozess wie jeden Tag, manchmal göttlich/divina.
In seiner Philosophie ausgedrückt:
Die „Endlichkeit“ unserer Existenz liegt in der Dulosigkeit unsres Ichs.
Ein Mensch, dessen Ich sein wahres Du gefunden hat, tritt aus der Endlichkeit heraus und in die Unendlichkeit hinein.

Tagebuch 1917, 8.8.; ebner online edition



_
Zu Gablitz und Fegefeuer fand ich nichts, aber zu Gablitz und Paradies.

_ Wandere ich von Gablitz über den Riederberg nach Ried, komme ich zu imposanten Mauerresten, der Klosterruine, Hl. Maria im Paradies. Ein Kraftplatz.
Muss ein paradiesisches Fleckerl gewesen sein mitten im Wald, fern vom Stadtlärm oder städtischem Getriebe, Leben in Armut und Abgeschiedenheit. 1456 bis zum 29.9. 1529. Brand, Mord an 22 Mönchen und Laien (auch das Stammkloster, St. Theobald in der Laimgrube in Wien wurde im gleichen Jahr zerstört).

_
Sarah Iris Mang,Gablitz, inspiriert von den Ruinen des Klosters
Hl. Maria in Paradiso

Es waren Franziskaner der strengen Observanz. Das Kloster war gegründet von Gabriel(e) Rangoni, dem damaligen Vorsteher, Vikar, der neuen Ordensprovinz. Nach seiner Vita muss 1464 im „Paradies“, also im Kloster St. Maria al Paradyso, ein Provinzkapitel für die Länder Russland, Polen, Ungarn und Böhmen, stattgefunden haben, wo er erneut zum Vicar gewählt worden ist (daher muss das Kloster schon gegründet gewesen sein! Ich setzte daher die Klostergründung mit 1456 an).

Gehst Du einmal nicht am Riederberg, sondern kletterst Du die 124 Stufen zu Aracoeli in Rom hinauf, dann suche die dritte Seitenkapelle rechts vom Eingang auf, in der Capella des Hl. Bonaventura findest Du das Grab des (späteren) Bischof von Alba Julia und Eger und Kardinals, Gabriele Rangoni (ohne Hinweis auf das Paradies in Gablitz im Wienerwald).

Die Kirche Maria in Aracoeli ist auch bei Dante verewigt. Franziskanische Kirchen begleiten Dante: in Florenz steht sein Denkmal vor Sta .Croce, die Franziskaner in Ravenna ehren sein Grab und haben lange seine Gebeine versteckt (=umgebettet“), und damit einen Grabraub unmöglich gemacht.

Ein Bonmot von P. Gerhard Ruf, Assisi:
es gibt Kapuziner, Minoriten, Franziskaner
aber:
Franz is kana!

Damit wird das 5. Philosophische Atelier geschlossen.

P.S.:
Das 6. Philosophische Atelier im Oktober 2022.
Arbeitstitel: Ebner, seine Mutter und die Kaiser (Konstantin, Karl I, Barbarossa)
Dank unseren 400 Besuchern, die uns auf der Website gefolgt sind.
Wir dürfen Josef Paier zu seiner erfolgreichen Diplomarbeit „Sinn und Sinne, eine semiotische Auseinandersetzung mit Ferdinand Ebner“ gratulieren.
Er hatte beim 3. Philosophischen Atelier die Rolle des Josef Hauer gelesen und ist dazu extra aus Graz angereist.
Ich habe ihn eingeladen, eine „semiotische“ Woche der „Wochenschau“ 2022 zu verfassen.
Ein Kloster, Maria im Paradies, gibt es wieder in Österreich. Du fährst von St. Veit im Pongau auf die Kinderalm hinauf.
Und wer Ebners Beata ist, und warum der Ort Saxen in die Vorschau kam, klärt sich nächste und übernächste Woche. Bleiben Sie dran!

Quellen:
gemaltes Bild © Ilse Pauls
Fotos © Dr. Herbert Limberger

Ebner online edition, Tagebuch 1918-1923 (nicht veröffentlicht)
Dieter Halama
P. Gerold Fussenegger: 'Flores Paradisi', opus concionatorium Gabrielis Rangone de Verona O.F.M.
nicht vollständig angeführte Quellen: wie bisher

Ferdinand Ebner
Zum 90.ten Todestag
am 17.10.2021




_ Erschaffen durch das Wunder des Wortes, ergriffen vom Wunder des Wortes – so lebt der Mensch.

In diesem Gedanken habe ich mein Denken, in diesem Gedanken habe ich mein Leben und den Halt meines Lebens.
_
Ebner eigenhändig 1923
Das frühere „Ebner-Haus“ in Wiener Neustadt,
Stadtarchiv Wr. Neustadt
Ich betreibe eine eigensinnige ‘Philologie’, aber diese eigensinnige Philologie ist auf ihre Art doch die ‘Heiligung des Namens Gottes’.
Ob es im Wollen Gottes liegt, daß diese Philologie, die augenblicklich der Eigensinn meines Lebens ist, auch für andere Menschen nützlich werde, ob es sein Wille ist, daß die Gedanken dieser Philologie im Bewußtsein der anderen Menschen, direkt oder indirekt, das Wissen um Gott lebendig werden lassen sollen; ob diese Philologie nicht bloß das eigentümliche Mittel meiner persönlichen Rettung, sondern auch meine ‘Mission’ im Leben sein soll – das weiß ich nicht.
Aber ich glaube, daß ich nicht sterben werde, ohne daß mir das nicht vorher zum Bewußtsein gekommen wäre.

Tb 11.Februar 1923


1964
„Heute Nacht, da kam auch zu mir einer (ein Traum). Was darin geschah, weiß ich nicht mehr, aber es wurde etwas gesagt, ob zu mir oder von mir selbst, auch das weiß ich nicht mehr. Es wurde also gesagt, wenn ein Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben, und es war wichtig, was gemeint war: Nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort.
Das wird hineingesprochen in sein Wesen, und es ist wie das Passwort zu allem, was dann geschieht. Es ist Kraft und Schwäche zugleich. Es ist Auftrag und Verheißung. Es ist Schutz und Gefährdung. Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht, ist Auswirkung dieses Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, dass der, dem es zugesprochen wird – jeder Mensch, denn jedem wird eins zugesprochen – es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt. Und vielleicht wird dieses Wort die Unterlage sein zudem, was der Richter einmal zu ihm sprechen wird.“

_
Brief R.Guardini
Mich hat dieser Gedanke sehr angesprochen. Anfang und Ende gehören zusammen. Am Anfang wird uns ein Wort mitgegeben, - ein Schlüssel zu unserem Leben. Ein Wort, das uns hilft, unseren Lebensweg zu suchen und zu gehen.

Romano Guardini 8o jährig; veröffentlicht 1984 in Berichte über mein Leben, Patmos Verlag.


Zeitzeugnis einer letzten Begegnung: Ebner – Frau Bachmeier
Der ganze Ernst unsres Daseins und Lebens :

Vor dem Mittagessen war ich bei der Frau Bachmeier, die im Sterben liegt.
Es ist mir da heute so gegangen wie etwa vor einem Jahre, als ich … den todkranken Doktor Singer aufsuchte.
Wieder fühlte ich, wie wenig wir in unserem Verkehr mit den Menschen daran denken, daß sie uns einmal als Sterbende gegenüber sein könnten.
Ich habe der Frau Bachmeier gewiß einmal, als ich gar zu schroff, weil mir etwas an ihr nicht passen wollte, sehr weh getan.

Tb 30.Jänner 1916


Preisgeben, loslassen:

Ich habe nicht nur den Gedanken meiner Autorschaft, weil er in der falschen Situierung meines Lebens wurzelt, sie fixiert, ihre Korrektur unmöglich macht, preiszugeben, sondern auch das Tagebuch.

Tb 16.Februar 1923 letzte Eintragung in diesem Tagebuch


Ebner … Todesstrafe …

und gute Christen hören es gerne -, man könne ohne Todesstrafe nicht auskommen. Vor 170 Jahren aber haben sie ebenso behauptet, man könne ohne Folter nicht Recht sprechen. Die Folter wurde trotzdem abgeschafft. Und einmal kommt auch der Tag, an dem sich die Menschheit der Anwendung der Todesstrafe einfach schämen wird.

Wort und Liebe S.54 online


Autorschaft:

Sie war ein Mißverständnis, weil ich in ihr falsch situiert war.
Vielleicht haben das alle, die lasen, was ich geschrieben habe, mit mehr oder weniger Verstand oder Unverstand lasen, aus jedem meiner Sätze herausgefühlt.

Tb 15.Februar 1923


Ebner: ein Schluss-Wort

Wir müssen den Glauben ans Wort gewinnen, daß wir werden u. geht darüber auch die Generation zugrunde, wozu uns Gott in seiner Liebe durch das Wort geschaffen hat: ( daß wir wieder ) zu Menschen ( werden ) die Kinder Gottes sind.

Gablitz, am 1.März 1919


Ferdinand Ebner Erstfassung zu Das Wort und die geistigen Realitäten. Letzter (Ab)Satz; März 1919
Zeitzeugnis einer letzten Begegnung Ficker – Ebner
Es war einige Monate vor seinem Tode, als ich nach Gablitz an sein Krankenlager gerufen wurde; denn es schien, als sollte es mit ihm bereits zu Ende gehen. Aber als ich eintrat und vollends, als ich mich zu ihm ans Bett gesetzt, wie staunte ich da über die Regsamkeit des Geistes, die diesem todgeweihten, bis auf Haut und Knochen abgezehrten Leib noch ungeschwächt, ja wahrnehmbar gesteigert innewohnte. Wie rührend war die Freude, mit der er mein Kommen begrüßte, und die Selbstverständlichkeit, mit der er während einer mehr als einstündigen Unterredung meine Hand nicht aus der seinen ließ. Wo nahm er nur die Kraft dazu her, da er, auf dem Rücken liegend, den siechen Leib doch kaum mehrbewegen , das Angesicht nur hin und wieder zu mir wenden konnte? Und doch war alle Frische des Gedächtnisses und die Klarsicht der Erkenntlichkeit für alles, was seinem Leben an Schwerem wie an Tröstlichem beschieden gewesen, in seinem Auge und in seiner Rede wie zu einem letzten Stelldichein versammelt.

Rede gehalten 1950 in Gablitz

Ludwig v Ficker Denkzettel und Danksagungen S.178, Verlag Kösel
http://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/bibliothek/pdf/denkzettel.pdf
_
† 17 Oktober 1931 Ferdinand Ebner
Friedhof Gablitz | Ebners Grab
_ _ _
9.2.*Thomas Bernhard wollte Ebner im 4. Band einer Neuen Österreichischen Bibliothek sehen
_
12.3.* Jozef Tischner, polnischer Dialogphilosoph, er hat den Dialog für die damals neue Solidarnosc-Bewegung fruchtbar gemacht.
_
1931: da war Thomas Bernhard 8 Monate
und Jozef Tischner 7 Monate!
_ _ _
Selbst wenn der Mensch tot ist,
so bedeutet dies vor allem,
dass er existiert hat.
Und wenn er existiert hat, kann er wiedergeboren werden.

Eine These Tischners,
Deutschlandfunk 21.Jänner 2011



Quellen:

Fotos & Dokumente © Sammlung Dr. Herbert Limberger
nicht vollständig angeführte Quellen: wie bisher

Schnitzler & Strindberg
Icheinsamkeiten


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4 Tage nach Ferdinand Ebner stirbt Arthur Schnitzler.
35 Jahre früher steckte August Strindberg in einer „Inferno-Krise“
_
Ferdinand Ebner legte 1918 Dante beiseite und verschlang „Strindberg“ und viele andere,
bevor er die Fragmente schrieb.
_
„Wandmalerei“ in Plovdiv
Wort - Worte
Für Ferdinand Ebner war das WORT eine Brücke,
für Arthur Schnitzler eine Komödie.
So hab ich Schnitzlers sehr schlechte Komödie der Worte gelesen.
Warum?
In unsere Hoftheater bin ich bis jetzt noch nie gekommen, weder in die Oper noch in die Burg, und vermutlich werd ich auch künftig nicht hineinkommen. …Aber so ganz achtlos geh ich an den Burgtheateraufführungen doch nicht vorüber. Wenn ich dann nämlich in den Zeitungen darüber lese, fühle ich mich manches Mal veranlaßt, mir durch die Lektüre eine Privatvorstellung zu geben.
So hab ich Schnitzlers sehr schlechte Komödie der Worte gelesen, im Herbst den Götz in der Urfassung und so hab ich auch gestern abends Shakespeares „Was ihr wollt“ hergenommen und in einem Zug durchgelesen.

Tb 13. März 1916

Gegen Abend lernte ich ein mir neues Stück von der schönen Seite dieser Welt kennen:
Wir fuhren nämlich hinaus auf den Türkenschanzpark.

Tb 8. Mai 1919
(an diesem Tag wurde auch das Manuskript
der Fragmente dem Braumüller-Verlag übergeben)

Schnitzler-Denkmal im Türkenschanzpark
Arthur Schnitzler 1862-1931

_
Komödie der Worte,
das sind drei Einakter

„Stunde des Erkennens“
10 Jahre Schweigen – dann brechen Worte des Noch-Ehepaares heraus; mit dem Schlusswort: Worte lügen
„Große Szene“
(Hamlet spielen ohne die davongelaufene Ehefrau, Sophie, das geht nicht)

und

„Das Bacchusfest“
(Felix redet seine Frau, samt ihren Freund in Grund und Boden) uraufgeführt am 12. Oktober 1915 im Burgtheater und zu einem späteren Zeitpunkt in Gablitz durch Ferdinand Ebner.
Strindbergweg
Nicht in Stockholm oder Paris, in Saxen ist er: durch die Klamschlucht zur Burg Klam, dort, wo für Strindberg ein Eingang zur Hölle war.
Ferdinand Ebners Strindbergweg vom 3o.6. bis 10.12.1918 führt nicht in die Hölle, er führt in die Fragmente.
Wir gehen ihn an Hand des Tagebuches 1918
30. Juni______Begann ich in Strindbergs "Beichte eines Toren" zu lesen.

_7. Juli______Vormittag wollte ich zwar im Strindbergroman lesen und schlafen, saß aber dann doch wieder bis 12h beim Schreibtisch und machte Aufzeichnungen.

10. Juli______Während des Abendessens lese ich täglich im Strindberg.

15. Juli______„Nach Damaskus“ lesend – einen Vormittag lang ausgeruht, aber meine Gedanken über das Wort und die Sprache ruhen auch. Jenes nach Damaskus finde ich sehr merkwürdig. Doch hab ich zum Eindruck noch zu wenig Distanz, um zu urteilen. Strindberg verstehe ich nun sehr gut.

17. Juli______Gestern abends wurde ich mit „Nach Damaskus“ fertig.
Die Dichter des neunzehnten Jahrhunderts schreiben ihren Faust wie die Symphoniker ihre Neunte.
Ein zweites Mal möchte ich diese merkwürdige Dichtung schon lesen.
Heute, nach dem Frühstück wieder ins Bett und las in dem Roman von Strindberg weiter, mich ein wenig langweilend.

22. Juli______Den Schluß der „Beichte eines Toren“ nur mehr ganz uninteressiert überflogen – vorgestern schon.
Strindberg – jener geistige Typus, der die Icheinsamkeit der menschlichen Existenz (aber nicht nur philosophisch spekulierend wie der deutsche Idealismus bei Fichte oder Kant) zum Prinzip des geistigen Lebens macht und auf die Spitze treibt.
Dahin gehört übrigens auch Karl Kraus.

25. Juli______Nach dem Mittagessen nach Wien. "Strindbergs Inferno".

26. Juli______Im Inferno über 100 Seiten – das reine Wahnsinnsprotokoll.

30. Juli______In Inferno-Legenden mich langweilend.

14. August___Gestern Kammerspiele.

_3. Oktober__In Wien "Rausch für Luise"

31. Oktober___Vormittag noch in „Nach Damaskus“ (weiter) gelesen.
Strindberg über Ibsen zu stellen. Ibsen stieg herab, Strindberg hinauf.

_1. November_Strindbergs Märchen. Es ist viel, wenn man von einem Dichter sagen darf, er könne Märchen schreiben. Auch so eine Goldprobe auf den „echten“ Dichter – wie das lyrische Gedicht.

_2. November_„Die gotischen Zimmer“

_7. November_"Schwarze Fahnen"

_9. November_Im Strindberg lese ich mit einigem Eifer.

10. November_Im Lauf dieser Woche habe ich zwei Romane von Strindberg gelesen.
Aber ich bin ganz unfähig, mich zu Gedanken darüber und zu einem Urteil über Strindberg überhaupt geistig zu konzentrieren. Qual des Zerfalls, der Auflösung.

15. November_Büchereinkäufe: "Strindbergs Fabeln".

10. Dezember_Gestern abends „Die Brandstätte“ zu Ende gelesen.
Heute das 10. Fragment – langsam, mit vieler Mühe des Denkens.
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Im 10. Fragment schreibt er – man könnte meinen an die Adresse von Schnitzler und Strindberg:
Alles menschliche Unglück in der Welt rührt daher, dass die Menschen so selten das rechte Wort zu sprechen wissen. Wüssten sie es, sie ersparten sich das Elend und den Jammer des Krieges.


Der Beginn - Strindbergweg

Eingangstor zum Strindbergweg in Saxen

Weg von und zu Strindberg
In Strindbergs „Inferno“
1.September 1896. - Ich bewohne das Zimmer, in dem meine Frau ihre zwei Trennungsjahre verbracht hat. Hier hat sie gelitten, während ich in Paris litt. Arme, arme Frau! Mussten wir so gestraft werden, weil wir mit der Liebe getändelt haben? (Strindberg, Inferno VIII, Beatrice)

Die Erde, die Erde ist die Hölle, …

Auf einem Spaziergange in die Umgegend des Dorfes (Saxen) gerate ich längs des kleinen Baches zu dem sogenannten Schluchtweg, der sich zwischen den beiden Bergen hinzieht. Der durch eingestürzte Felsen wahrhaft mächtig getürmte Eingang zieht mich sonderbar an.

Das Bild der Danteschen Hölle, die rot glühenden Särge der Ketzer, steigt vor mir auf ...

Der Weg verengert sich zwischen dem Müllerhaus und dem Berge, gerade unter dem Türkenkopf, zu einem schmalen Gange ...

Ich weiche zwei Schritt zurück, ...

Der Wasserfall und die Mühle vollführen ein Geräusch, ähnlich jenem Ohrensausen, das mich seit meinen ersten Beunruhigungen verfolgt. Die Müllergesellen, weiß wie die Engel, leiten das Räderwerk der Maschine wie Henker, und das große Rad lässt in ewiger Sisyphusarbeit das nie versiegende Wasser herabfließen ...

Hier stützt die alte Holzhütte diesen Berg.
Mühlen Wehr
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Dann kommt die Schmiede mit ihren nacktarmigen, geschwärzten Arbeitern, die mit Zangen, Hacken, Schraubstöcken und Hämmern bewaffnet sind; in Feuer und Funken liegen rot glühendes Eisen und geschmolzenes Blei ...
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Weiterhin ächzt die große Säge der Sägemühle und martert mit knirschenden Zähnen die auf dem Sägebock liegenden Baumriesen, dass ihr durchsichtiges Blut auf den klebrigen Boden herabträufelt ...

Mache ich unter einem Abhang halt, dessen überhängender Fels auf eine heilige Maria zu fallen droht, die allein auf ihren zarten göttlichen Schultern den unterwaschenen Berg noch stützt ...

(Inferno IX, Swedenborg)
Quelle: Projekt Gutenberg.de

Was Ferdinand Ebner 1918 noch alles „verschlungen“ hat und ob auch Amerikaner dabei waren, wird in der „Wochenschau“ 50 behandelt.
_
Also, bleiben Sie dran!
In den kommenden zwei Wochen erleben wir das Ende des 1. Weltkrieges aus Sicht Ferdinand Ebners.

Quellen:
Fotos © Sammlung Dr. Herbert Limberger
nicht vollständig angeführte Quellen: wie bisher

<p>in Vorbereitung</p>


Festtage 2021 mit Bezug zu Ferdinand Ebner
Gedenktage

(nach H. Limberger)

VORDatumGedenktage
1 900*26. AprilMark Aurel
700+14. SeptemberDante
550 *Dürer
425*31. MärzDescartes
375*Leibniz
275*30. MärzGoya
230+05. DezemberMozart
200*09. AprilCharles Baudelaire Le rebelle …...je ne veux pas Brief 10.6.1921 an LK
200*11. NovemberDostojewski
140+Februar
130*01. JuniHildegard Jone
125+Bruckner
110+Gustav Mahler
100*Erwin Ringel |Der Sinn: der aber liegt darin, daß einer leben will, und nicht darin, daß einer sterben will. | Tb 30.3.21
90 *Thomas Bernhard
90+21. OktoberArthur Schnitzler
90+17. OktoberFerdinand Ebner
85*Herbert Pietschmann
80*MärzErhard Busek
80+Henri Bergson ihm wurde ein Exemplar von WgR geschickt.
75+Gerhard Hauptmann
70+29. AprilWittgenstein
70+Schönberg
40+Maria Ebner, geb. Mizera
35+20. JuniRichard Eybner | 7.Literarisch musikalisches Frühstücksbuffet in Gablitz

Jubiläen

100 JahrJubiläum
21. JännerGlossen zum Introitus des Johannesevangeliums Brenner VI.Folge, Heft 8,
21. September„Das Wort und die geistigen Realitäten“ in Buchform erschienen
...das erste fertige Exemplar ist in meinen Händen...Brief 9.9.21 an LK
21. JuniDas Wissen um Gott und der Glaube Brenner VI Folge Heft 10
40 JahrJubiläum
F. Ebner Symposium in Gablitz
Ausstellung Ferdinand Ebner

Herzlich willkommen!

Vor 100 Jahren hat Ferdinand Ebner sein Hauptwerk „Das Wort und die geistigen Realitäten“ fertiggestellt.

このサイトにようこそ!

ちょうど100年前に
フェルディナンド・エーブナーは
その主作「言葉と精神的実在」を
書き下ろしました。

benvenuto!

100 anni fa, Ferdinand Ebner completava il suo capolavoro „Frammenti pneumatologici“.

Witamy!

Przed 100 laty Ferdinand Ebner zakończył pisanie swego głównego dzieła „Słowo i realności duchowe.“

Welcome!

100 years ago, Ferdinand Ebner completed his major work.

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