Wochenschau

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zum 90ten Todestag und zum 140 ten Geburtstag

Le rebelle – Ferdinand Ebner

Mein erstes Buch…


 

Das erste fertige Exemplar der Fragmente ist bereits in meinen Händen … Das Buch nimmt sich in seinem Umschlag gut aus, sehr gut sogar.
So jubelte Ferdinand Ebner am 9. und 25.September 1921 in Briefen an Luise Karpischek.
Möge das Jahr 1921 …ein schönes und erfreuliches sein wünscht Ebner am 6.1.1921 Ludwig Ficker und ist neugierig auf den Druckkostenvoranschlag und fragt, berichtet und ermahnt:
3.2.1921 - Wie viele Korrekturbögen werde ich zu lesen haben? Die üblichen drei?
20.3. - Wie steht es mit dem Druck der Fragmente?
17.4. - Die eingetroffenen Korrekturbögen habe ich sofort erledigt.
17.4. - Ja nicht das Motto zu vergessen.
Dass ich sogar nicht unbedeutende Texteinschaltungen machte…..“ich will“….“ich will nicht“…und auf einmal denke ich dieses (Letztere) als „ Je ne veux pas“ … jenes Gedicht von Baudelaire…es heißt: Le rebelle schreibt Ebner am 10. Juni 1921 an Luise Karpischek.

Unsere Frage:
War Ebner ein Rebell?
Ein guter Engel oder
ein ange furieux? (ein wildgewordener Engel)

Die kommenden Wochen können es zeigen!
Nächste Woche ist der Todestag Dantes. Zwischen Dante und Ebner gibt es überraschend viele Parallelen.
Also, bleiben sie dran! - Herbert Limberger

 

Quelle: Ebner, Schriften III, Verlag Kösel Bilder: Umschlag des 1921 erschienen Buches.

 

Aus Ebners Bibliothek: Eigenhändiger Umschlagentwurf, der in der Druckversion nicht wiedergegeben wurde.

Dante + Ravenna




Die Nacht vom 13. auf 14.September 1321 beendet die zweite Hälfte seines Erdenlebens.

Ich stand in unsres Erdenlebens Mitte
verirrt in einem dunklen Wald allein;
kein rechter Weg mehr bot sich meinem Schritte.
(Anfangsterzine der Göttlichen Komödie)


Von Dante red ich…

Vom Himmel kam er, sterblich das Gericht
Der Hölle sah er und den Läuterungsbau
Und kehrte lebend dann zu Gottes Schau,
von allen uns zu bringen wahres Licht.
(Michelangelo)
Ebner Tagebuch 1918 - Begonnen in Dantes Göttlicher Komödie – Ostergeschenk von Luise – zu lesen. Karfreitag, 29. März 18, in Neustadt.
Dantes „Reise“ ins Jenseits beginnt auch an einem Karfreitag.
Tagebuch 1918, gleicher Tag - 11h abends - den ganzen Tag mit mancherlei Gedanken beschäftigt, daß ich nicht dazukam, im Dante weiterzulesen.
5.April 1918 - Nach der Jause nach Purkersdorf, unterwegs im Dante lesend.
Tagebuch 21.August 1918 - Ich habe mir für die paar Tage hier in Wels den Dante mitgenommen und mir dabei vorgestellt, ich würde jeden Morgen und jeden Nachmittag ein paar Gesänge lesen und so weiter kommen um ein gutes Stück. Aber hier mag ich erst recht nicht lesen.
1922, Brief an Luise, Kö III, Oktober - ...Es scheint, dass jetzt ein Buch bei mir zu Ehren kommt, das Du mir vor mehr als 4 Jahren geschenkt hast- der Dante.
Vielleicht macht mir die göttliche Komödie, die mir bislang unzugänglich war, der Hilty zugänglich.

Dante - Ebner

Geboren jeweils 2. Jahrhunderthälfte 1265,1882
Erreichtes Alter 56, 49
Verbannung: 19, 19 Jahre
Bei Dante gab es wenigstens einen Prozess (der heuer neu inszeniert worden ist).
Ebner hatte nur den „Marschbefehl“ von Waldegg nach Gablitz; er erfuhr nie, ob es nicht doch eine Strafversetzung war.
In der Verbannung schreiben sie ihre Hauptwerke, sie beginnen im Alter zwischen 35 – 40,
beide kritisierten Repräsentanten der Kirche, Politik der Kirchenvertreter ist beiden ein Ärgernis,
Sprache und Wort :
Dante schreibt nicht mehr im gängigen Latein, er schreibt in Italienisch, in der Mutter-Sprache. Ebner reduziert die Sprache auf das Wort, nicht auf Wörter komme es an, sondern auf : das Wort.
Dantes Hauptwerk ist in der Ich-Form verfasst, Ebner schreibt über das eigentliche Ich , und meint: die Sache ist ganz einfach: dessen(seine) Existenz liegt nicht in der Bezogenheit auf sich selbst, sondern in seinem Verhältnis zum Du.( 1.Fragment)


Aus diesem Denken urteilt Ebner:
Tagebuch 3.April 1918 - Die Göttliche Komödie ist gewiß nicht nur ein religiöses, sondern auch ein dichterisches Missverständnis.
Ebner schwimmt nicht in der damaligen Dante-Hype, er hat seinen Standpunkt. Ein Rebell?
Aber, haben nicht beide Werke das gleiche Thema?
Die Wochen 38, 39 und 40 sind ein virtuelles 5. Philosophisches Atelier zu Baudelaire, Dante, Ebner. Bleiben Sie dran!

Post-Scriptum:
Dante als der „Denker“ von Auguste Rodin thront über dem Höllentor. Kräftig, muskulös, voll von Spannung.
Nach Rodin war es der „Poet“. Wegen der Ähnlichkeit mit Michelangelos „Il Pensieroso“ hat sich die Bezeichnung Denker durchgesetzt.
Übrigens: Rodin schuf diese Plastik um das Geburtsjahr Ebners, 1880-1882.
Tagebuch 16.8.1917 Wr. Neustadt - Nach der Jause in den Rodinbüchern herumgeblättert.
Tagebuch 10.8.1920 - Frage Ebners:
Will mich denn Gott als Denker?
Wie will der Mensch den Mißbrauch des Denkens, in welchem er zum Denker wurde, abschaffen, wenn er sich niemals diese Frage stellt?

Quellen:
Tagebuch 1918 und Fragmente: Ferdinand ebner online edition
Tagebuch 1918-1923 ( bis jetzt nur auszugsweise veröffentlicht) Text bereits übertragen, für die Veröffentlichung fehlt das nötige Geld.
Gedicht des Michelangelo: Rowohlt, Dante dargestellt von Kurt Leonhard
Erste Terzine: Übersetzung Hans Werner Sokop (hat in Gablitz aus seiner Dante- Übersetzung gelesen)

Abbildungen/Fotos © Dr. Herbert Limberger
Ravenna
Denker & Bedenker - Ebners Grabstein in Gablitz

Ebner - Baudelaire - Dante


Ebner näher kennenlernen mit Jubilaren, das ist der Leitgedanke des Philosophischen Ateliers.
Aus dem Atelier meldet sich Ilse Pauls:
Sehr geehrte Ferdinand Ebner Interessierte!
Es tut mir sehr leid, dass dieses Jahr wieder kein Philosophisches Atelier in unserem Haus stattfinden kann.
Es waren immer sehr schöne Gespräche und Begegnungen.
Ich darf ein passendes, von mir gemaltes Bild, beisteuern.

Ilse Pauls

2021 feiern wir Dantes 700ten Todestag und Baudelaires 200ten Geburtstag.
Baudelaire begleitet Ebner das ganze Leben. Dante kommt erst zu Ostern 1918 in sein Leben und es ist keine Liebe auf den ersten Blick.
Blumen, i fiori, les fleurs sind das gemeinsame Thema, geografisch Gablitz, Florenz und Paris, dem Entsprechen die Wochen 38,39 und 40. In der Woche 41 ist Ebners 90ster Todestag das Thema.
Hahnenfuß und Löwenzahn haben es Ebner in Gablitz angetan. Aber vorerst kommen wir von Dantes dunklem Wald zu Ebner:
Riesenhafte Stämme von einer Höhe, wie ich sie bis jetzt noch nicht gesehen habe, schöne grüne Rasenflächen darunter, helles Licht zwischen den Baumstämmen im Vordergrund, dunkle Schatten im Hintergrund, ohne das Düstere und Unheimliche der Fichtenwälder.
Merkwürdig, ich, der ich von mir glaube, an der Welt überhaupt nicht mehr anders interessiert zu sein als an einem ethischen Probleme, entdecke noch einmal in mir die Möglichkeit eines intimen Liebesverhältnisses zur Natur.

Brief Kö III, 68 an L.K.

Florenz und die Lilie, die mit Dante ins Paradies wandert: Rose, Blumenwiese. Lilien als des rechten Weges Warten (Paradiso XXIII). Insgeheim macht Dante so seine Geburtsstadt, die Stadt der Blumen mit dem Dom Sta. Maria dei Fiori (auch wenn dieser erst nach Dante erbaut worden ist) zur Paradies-Landschaft.

 

Und Baudelaire?
Er gibt den Blumen seiner Stadt eine andere Bedeutung, Fleurs du Mal, Blumen des Bösen.
Für viele eine Weiterführung von Dantes Inferno.
Gedicht in Prosa als Kontrapunkt zu Ebner:
Wie die sich neigenden Herbsttage ergreifend sind! ...
Natur, du Zauberin ohne Erbarmen, immer siegreiche Gegnerin, lass ab von mir! ...

Die Suche nach Schönheit ist ein Zweikampf, bei dem der Künstler aus Bangigkeit schreit, bevor er noch besiegt wird!

(Baudelaire, Das Bekenntnis des Künstlers, Projekt Gutenberg).


Oder sollten wir doch auf einer der vielen Brücken von Paris an Ebner denken:
Die Brücke von der Icheinsamkeit des einen zu jener des anderen Bewusstseins:

Das Wort.
O wie schrecklich ist das.
Wortloswerden einer menschlichen Existenz – der ‘innere’ Tod. Tb Juli 1922

Hab ich der Worte wahren Grund verstanden? ...
Ich heiße Beatrice. (Inferno, II)

Für diese Woche wird das 5. Philosophische Atelier geschlossen.
Nächste Woche wird fortgesetzt mit:
Die ‘Icheinsamkeit’ wahrnehmen: sie als Übel und als das Übel fühlen. Ebner Tb 3.7.22 Paris und Wege im Purgatorium. Bleiben sie dran!

gemaltes Bild © Ilse Pauls | Fotos © Dr. Herbert Limberger | nicht vollständig angeführte Quellen:  wie bisher

In Vorbereitung

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