Ferdinand Ebner

Wochenschau-Vorlage

Otto Wagner Schüler

Ruolf Wondracek

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Am 9.1. war sein Geburtstag.
Im November jährt sich sein Todestag. Hören wir, was Ferdinand Ebner über ihn sagt:

Abb. 1: Portät Rudolf Wondracek jun. von Leopold Schmid © Stadtmuseum St. Pölten

a+b = Null______Eine Gleichung als Antwort

Erste Symphonie. Architekt Wondracek. St. Pöltner Konzert

(Ferdinand Ebner:
Notizen zu einer Geschichte meines geistigen Lebensganges, in Kö II 1050)
Ebner verwendet Wondraschek und Wondracek.

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Abb. 2: Josef Hauer eigenhändig; 1913 noch ohne Matthias

Ich plagte mich tagelang in Gablitz auf dem Klavier eines Kollegen, die Komposition technisch wenigstens halbwegs zu bewältigen, was mir natürlich nicht gelang, aber schließlich nahm mein williges Ohr die mir fremden Akkorde und Melodien- die klangen, als ob einer im tiefsten Schlaf aus einem schweren Traum heraus geheimnisvolle Worte spräche- nicht ohne Verständnis auf. Nur aus einem Satz, der als Tanz gedacht war, konnte ich absolut nichts heraushören. Über eine Entdeckung staunte ich am meisten. An einer Stelle, in wenigen Takten nur, klingt etwas auf, was Hauers Wesen total fremd ist: erotische Sehnsucht.
Diese erste Komposition wurde mir gewidmet. --- Kö II 1062 ---


In dieser Zeit verkehrte ich, zuerst in Waldegg, dann in Wien von Gablitz aus, mit dem Dr. Räuscher, der damals noch an der Wiener Universität studierte. Ich machte ihn mit dem Hauer bekannt, und er gab die Bekanntschaft an den Architekten Wondraschek in St. Pölten, einem Schüler Otto Wagners weiter.

Dieser Wondraschek wollte sich der Musik widmen und wurde nur auf Wunsch seines Vaters hin Architekt.

Diese zwei St. Pöltner interessierten sich außerordentlich für den Hauer und beschlossen eine öffentliche Aufführung. So kam, von Wondraschek inszeniert, der „Moderne Musikabend“ in St. Pölten zustande mit dem Pianisten Dr. Reti aus Wien und einem Sänger, Karl Fälbl aus St. Pölten, der einige Lieder von Gustav Mahler sang.

Dieser Dr. Reti, ein „Klaviertiger“ und sein Begleiter, ein gewisser Freistadtl…spielten die erste Symphonie herunter. Aber es gab reichliches Beifallklatschen und keinen Misston. --- Kö II 1061 ff ---

Der Hauer verdankt seinen schönen Applaus dem Bildhauer Fraß und seinem Bruder, die mutig genug waren, nach einem Moment des Schweigens am Schluss des 7. Satzes – ein Moment, in dem der Deutsch und ich wie auf Nadeln gesessen sind, der Hauer war während der Aufführung draußen im Korridor und hat eigentlich nichts gehört- das Zeichen zum Applaus zu geben, dem das Publikum, das sich auch sonst tadellos benommen hat, willig und soviel ich weiß, widerspruchslos Folge leistete.
Jetzt sind wir alle, (auch)der Wondraschek und ich ..…. hinausgelaufen und haben den Hauer hereingeschleppt und auf das Podium hinaufgeschoben.
--- Brief 9.6.1913 E >LK Kö III 28 ---

Dann versammelte sich ein kleiner Kreis um den Hauer im Hotel Pittner, später im Kaffeehaus. Als wir endlich die Betten aufsuchten, sangen die ersten Vögel.
Dass eines der Lokalblätter die Symphonie vernichtend kritisierte, war nahezu selbstverständlich. Gezeichnet war die Rezension mit a+b. Der Räuscher und der Wondraschek erwiderten in einem anderen Lokalblatt, heftig gegen das Spießbürgertum in der Kunstauffassung polemisierend und dem Rezensenten Citate aus Oskar Wilde und Karl Kraus an den Kopf werfend, um schließlich zu konstatieren: a+b=o Damit war die Sache erledigt.
--- Kö II 1064 ---

Kommt es zu dem von Ihnen und dem Herrn Wondracek geplanten Klavierabend, so ist es ja nicht ausgeschlossen, dass wir uns in St. Pölten sehen.
--- Briefentwurf an Josef Räuscher 25.12.1913 in Wels. Kö II 54 ---

Dr. J. Räuscher und Architekt Wondracek schafften es auf diese Weise ins Musiklexikon.

Musiklexikon:
Musikalisch gebildet, zog Wondraschek bereits 1913 einen Vergleich zwischen der Lehre J. M. Hauers und A. v. Weberns. Durch seine und J. Räuschers Vermittlung fand am 7.6.1913 in St. Pölten im Rahmen eines Modernen Musikabends die erste öffentliche Aufführung eines Werks von Hauer statt.

Im Architektenlexikon reicht für Rudolf Wondracek ein Absatz nicht.
Begeben wir uns auf Spuren des Wondracek als

Dialogischer Rundgang:

Vom Bahnhof gehen wir in die Altstadt, in die Brunngasse 7, Blick nach oben, Art Deco. Rathausplatz.
Wiener Straße 12: Atelier Wondracek: wir läuten : Ist der Herr Wondracek da?
Ja. Aber ich bin der Vater, der Stadtingenieur von St. Pölten. Ich habe auch Einiges gebaut, renoviert: jüdischer Friedhof, etc.

Was Sie sind gerade am Haus Brunngasse 7 vorbeigekommen: 1901.Das waren halt noch Zeiten. Das Haus ist von mir (gemacht).
Ah, von meinem Sohn wollen Sie auch was sehen:
Hier die Wiener Straße Richtung Traisen: Am Neugebäudeplatz, da ist der Brunnen frisch saniert, dreieckig, auf einer Säule nicht die römische Wölfin, der Passauer Wolf.

Abb. 3: St. Michael am Wagram, eingeweiht 9.10. 1938


Wenn Sie schon dort sind, weiter über die Traisen, dann kommen Sie vielleicht in die Rudolf Wondracek Straße: nach meinem Sohn benannt. In der Nähe finden sie auch St. Michael. Schaut auch gut aus. Kirche mit Campanile und Laubengang. Michael erinnert an den Bischof Michael Memelauer.

Aha, Sie wollen mehr sehen:
Zurück über die Traisen, Traisen aufwärts, Geheimtipp:
Handel Mazettistr. 1-5, ein Super-Wohnhaus von meinem Sohn, auch frisch hergerichtet.

Abb. 4: Wohnhausanlage Handel Mazetti Str.

Abb. 5: Atelier Wondracek jun.

Dann zu den Siedlungsbauten der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts und schauen Sie die Häuser in der Waschblau Siedlung an. Das war Stadterweiterung! Leistbares, qualitätsvolles Wohnen! „Neues Bauen“ , holländisch eben. In die Munggenaststraße hat er sein Atelier verlegt. Vielleicht finden sie ihn dort.

Ja, Kirchen:
St. Michael am Wagram hab ich schon g sagt, schauen Sie kurz in St. Josef vorbei. Dann gehen Sie zum Rathausplatz zurück. In der Prandtauerstraße ist das Stadtmuseum, die haben seinen Nachlass. Und zu St. Josef hat mein Sohn einen sehr modernen Entwurf geliefert, der leider nicht realisiert worden ist. Im Stadtmuseum sind viele Entwürfe und Pläne.

Vom Stadtmuseum in die Prandtauerkirche. Das war alles ein Kloster der Karmelitinnen, gestiftet von der Montecuccoli, aber von Josef II bald darauf aufgehoben. Die Kirche wurde profaniert, Munitionslager. Mein Sohn hat daraus wieder eine Kirche erstehen lassen.

Sind Sie mit dem Auto da ?
Fahrn Sie nach Sigmundsherberg, schöne, ideenreiche Kirche, mit den drei Ebenen:
Der Versammlungsplatz im Freien, weit und groß,
einige Stufen zur Ebene der Kirche
und noch weniger Stufen zur Ebene der Zelebration.

Dann nach Klosterneuburg, St. Leopold, ein schlichter Bau, 1936/37.
Und in Wien da hat mein Sohn studiert:

Staatsgewerbeschule, Technische Hochschule und Akademie der bildenden Künste, beim Otto Wagner.

Bei ihm hat er auch ein Praktikum gemacht, und dann noch eines beim Fabiani. Kennen Sie die Urania? Die ist von ihm.

Abb. 6: Kirche Sigmundsherberg

Abb. 7: Wondracek vor den Stufen im Heldentor; Bildausschnitt © Stadtmuseum St.Pölten

Bevor mein Sohn, in Wien die Arbeit am Heldentor gewonnen hat, 173 eingereichte Entwürfe !!, war er in Triest, wieder beim Fabiani, dann 6 Jahre in Prag und auch Berlin und schließlich ist er mir nachgefolgt: Hochbaureferent hier in St. Pölten, zuletzt noch 8 Jahr freiberuflich.

So das wär‘s. Sie können aber auch noch zum Pumpenhaus im Süden der Stadt gehen.

Da fällt mir ein:
Wenn Sie von Sigmundsherberg nach Klosterneuburg fahren, machen Sie einen Stop in Korneuburg beim Rathaus, dort hat ein Rudolf Wondracek, der Stadtingenieur, bei der Sichtung der eingereichten Pläne mitgewirkt.

1893: Das war vielleicht ich, mit 33 Jahren, aber ich kann mich nicht mehr so genau erinnern.

Ei ja, noch was:
St. Pölten, Herzogenburgerstrasse 32, das Blaue Haus.
Das ist gar nicht blau.

Ja, Herzogenburg: Sie waren ja in dem Konzert der Modernen Musik. Haben Sie gelesen, was der Ebner dazu schreibt:
Also, auf Wiedersehen!

Ebner in Josef Matthias Hauer: --- Kö II 1061 ---
Hauer hatte damals schon komponiert, in Krumbach eine Messe im Beethovenstil, deren Aufführung im Jahre 1914 in Herzogenburg der dortige Stiftskämmerer Haas veranlasste, der Hauers erste Symphonie auf dem Musikabend in St. Pölten gehört hatte.

Ebner im Brief vom 9.6.1913 an Luise Karpischek:
Einige wohlwollende Äußerungen haben wir auch zu hören bekommen und insbesondere mag sich der Hauer mit Recht über das freuen, was der Kämmerer des Stiftes Herzogenburg (ein kleiner, buckliger Geistlicher, der mir wegen seines ungemein interessanten vergeistigten Gesichts im Publikum aufgefallen ist) gesagt hat.

Ebners zusammenfassendes Urteil über den musikalischen Abend:
Übrigens – die Symphonie ist herzlich schlecht gespielt worden. Ich kann s besser.

Wondraschek und das „Lächeln Gottes“ :
Ich muss noch zweier Kompositionen (des Hauer) der letzten Jahre gedenken, die mir besonders gut gefielen. Die eine ist eine Klavierstudie, der lieblichen Anna Höllering gewidmet, einer kleinen Schauspielerin und Freundin Ittens und seiner späteren Frau. Diese Studie darf, wenn sie richtig gespielt sein soll, über die Saiten gleichsam nur gehaucht werden, muss man vergessen, dass das Klavier ein Hammerwerk ist. Wondraschek nannte sie das „Lächeln Gottes“. --- Lebensskizze, Josef M. Hauer Kö II 1076 ---

Abb. 8: Gedenktafel Herzogenburgerstrasse

Es sind die Werke Hauers Opus 16,17 aus 1919
Nächste Wochenschau: Ebners Bruder, Hans, mit seiner in Sydney geborenen Jeannie.
Kommen Sie mit nach Australien!

Abb. 9: Werbeanzeige im Bote von Ybbs,19.5.1900,
Online Archiv der Wochenzeitung Bote von Ybbs

Fakten:

Rudolf Wondracek sen 1860 - 1928, Baumeister, Stadtingenieur; oo Maria geb. Fluck

Rudolf Wondracek jun 9.1.1886 - 21.11.1942, oo Maria Petrova 1921,

Moderner Musikabend 7.6.1913 St. Pölten Hauer, Schönberg, Debussy, Mahler

Josef M. Hauer 1883 – 1959

Ferdinand Ebner 1882 – 1931

Dr. Josef Räuscher 1889 – 1937

Dr. Rudolf Reti 1885 – 1957

Quellen:
Ferdinand Ebner : Notizen, Tagebücher, Lebenserinnerungen Kösel Verlag Kö II, Briefe Kö III
Fotos | 1 und 7 Stadtmuseum St. Pölten mit herzlichem Dank an Dir. Thomas Pulle
übrige © Sammlung Dr. Herbert Limberger

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